Mitten in der Gesellschaft

Mitten in der Gesellschaft angekommen.

„Made in Germany“: Erfolgsgeschichte von Vitalij Starkloff, Unternehmensberater

Wir möchten unseren Lesern einen jungen und zielstrebigen Spätaussiedler Vitalij Starkloff vorstellen. Aus Vitalijs Kindertraum, Polizist zu werden und somit die Gerechtigkeit zu vertreten, ist zwar nichts geworden. Durch seine Disziplin und Zielstrebigkeit hat er jedoch einen anderen beruflichen Weg sehr erfolgreich umgesetzt. Heute erzählen wir seine (Migrations-)Geschichte. 

Vitalij kam als neunjähriger Junge im Jahr 1996 mit seinem jüngeren Bruder Johann und seiner Mutter nach Deutschland. In seinem Herkunftsort der kleinen Provinzstadt Asbest nahe der Metropole Jekaterinburg hat er es noch geschafft zwei Schulklassen abzuschließen, danach wurden dann im Sommer auch schon die Koffer gepackt und die Familie Starkloff machte sich auf den Weg ins ungewisse Deutschland. Ihr Vater folgte ihnen einige Monate später nach.

In dem zweiten Übergangswohnheim in Langen (Hessen) angekommen, begann ein neues Leben für die Familie. Das Übergangswohnheim, welches von allen nur als „Russenlager“ bezeichnet wurde, war schon eher eine kleine Siedlung bestehend aus mehreren Häusern, um die die Einheimischen einen großen Bogen machten. Hier teilten alle Spätaussiedler das gleiche Schicksal.

Das „Russenlager“ und die etwas holprige schulische Laufbahn

Das Leben im „Russenlager“ hat Vitalij sehr geprägt. Hier hat er neue Freunde gefunden, wie gleichgesinnte aus dem „Russenlager“, so auch „Einheimische“ aus der Schule. Obwohl Vitalij einen sehr großen Unterschied zwischen dem russischen und deutschen Schulsystem sah und diesen auch kritisierte, konnte er sich sehr schnell in den deutschen Unterricht integrieren und bekam nach Beendigung der vierten Klasse eine Empfehlung für ein Gymnasium. Im „Russenlager“ wohnte die Familie drei Jahre lang zu viert in einem 12qm kleinen Appartement, praktisch ohne Privatsphäre. Das Zimmer war nur durch einen Vorhang in Kinder- und Elternbereich getrennt. Eine Lebensphase an die sich Vitalij sehr gut erinnert.

Durch die Ablenkungen, denen man als Teenager unterworfen ist, ging Vitalijs Motivation für die Schule flöten, aber nicht verloren. Und so kam es, wie es kommen musste, er wurde nicht in die elfte Klasse auf dem Gymnasium versetzt. Die fünf in Französisch und die regelmäßigen Partywochenenden machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Da er bereits volljährig war, hat er sich selbstständig von dem Gymnasium abgemeldet und in einer Gesamtschule, Gymnasialer Zweig, angemeldet. Das war eine sehr mutige aber auch richtige Entscheidung, wie es sich später herausstellte. Ab da verbesserten sich seine Noten und auch zur Schule gehen, war nicht mehr so öde, weil auf dieser Schule ziemlich viele Freunde von ihm waren.

Schon bald hat sich Vitalij sehr intensiv dem Kampfsport gewidmet, wodurch er mehr Selbstbewusstsein erlangte. Seine älteren Freunde, die in Sachen Kraftsport schon einiges erreicht hatten, haben ihm den Einstieg in die Kraftsportszene sehr erleichtert. Vitalij machte sich mit den Basics vertraut, studierte viele Bücher und verstand, dass Kraftsport eine Wissenschaft für sich ist. Das Training an sich ist nur ein kleiner Schlüssel zum Erfolg. Vielmehr geht es in erster Linie um eiserne Disziplin. Das war das Aus für das nächtliche Feiern. Schon bald erzielte Vitalij gute Ergebnisse und wollte immer mehr erreichen. Schnell wurde ihm klar, dass der Sport ihn in jeder Hinsicht weiterbringt.  Und so ging es für ihn sportlich sowie schulisch wieder bergauf.

Vitalij (3. von links) mit seinen Kameraden

 

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – Die unverzichtbaren Mentoren

Vitalij hatte das Glück, sein Leben lang von seiner Familie, seiner Ehefrau, die er schon im Jahr 2005 kennenlernte, unterstützt zu werden. Außer diesen unverzichtbaren Personen, gab es jedoch ein ganzes Unternehmen, welches ihn im richtigen Moment auffing und beruflich förderte. Voraussetzung für die praxisbezogene Fachhochschulreife, für die sich Vitalij entschied, war ein einjähriges Praktikum in einem Betrieb. Das Praktikum absolvierte er bei einem Zahlungsverkehrsdienstleister. Hiermit legte er den Grundstein für sein Berufsleben. Nach der erfolgreichen Beendigung des Praktikums wurde ihm von der Geschäftsführung ein duales Studium angeboten. Hier spiegelt sich wohl Vitalijs eiserne Disziplin und Zielstrebigkeit wieder. Im Unternehmen war er der Vorreiter und das Versuchskaninchen für einen dualen Studiengang. Nach guter Überzeugungsarbeit durch Herrn Ortmann ist Vitalij gemeinsam mit ihm zu einer Berufsakademie gefahren. Der Zugang in eine Berufsakademie steht nur wenigen Personen offen, nicht nur aufgrund der Finanzierung. Nachdem Herr Ortmann ein sehr gutes Wort für Vitalij eingelegt hat, wurde alles Vertragliche festgelegt, sodass Vitalij zum Wintersemester mit dem Studium beginnen konnte. Für diese einmalige Chance ist Vitalij bis heute Herrn Ortmann und Herrn Gerhardt, dem Geschäftsführer der Firmen ABK Systeme und EFiS AG sehr dankbar. Vielen jungen Menschen haben solche Mentoren, die Ihnen den Weg hätten weisen können, gefehlt.

Vitalij hat die Chance genutzt, die ihm geboten wurde und absolvierte Wirtschaftswissenschaften im dualen Studiengang. So stieg er beim Zahlungsverkehrsdienstleister in die ZV-Welt ein und entwickelte sich permanent weiter. Aktuell ist er als Unternehmensberater (Senior-Consultant) in Projekten von verschiedenen Banken oder Fintechs (Financial Technologies) in ganz Deutschland und auch außerhalb.

An seinem Job gefällt ihm besonders die Abwechslung: neue Kunden, neue Projekte, neue Kollegen. Es ist einerseits immer eine Herausforderung, andererseits wird es nie langweilig. Auch das Reisen quer durch die Republik ist super. Wie managt Vitalij Familienleben und den Beruf? „An dieser Stelle, einen herzlichen Dank und ein großes Lob an meine Ehefrau, die mich unterstützt und Verständnis zeigt. Ich bin viel unterwegs und oft über die Woche nicht zu Hause. Da sehe ich meine Ehefrau nur am Wochenende. Es ist dann eine Art Fernbeziehung. Umso mehr freut man sich dann auf das gemeinsame Wochenende.“ Leider musste Vitalij den Sport aufgrund der fehlenden Zeit aufgeben. Jedoch hat er die Fotografie für sich neu entdeckt und ist mit viel Leidenschaft dabei.

 

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten konnte Vitalij mit Fleiß und Disziplin als junger Spätaussiedler seinen eigenen Weg gehen. Durch seine Familie bekam er den notwendigen Halt. Dies soll auch ein Appell an alle Eltern sein, die Träume Ihrer Kinder gemeinsam mit ihnen zu leben und zu gestalten. Vitalijs Geschichte soll vorbildhaft alle dazu motivieren, weiterhin an ihre Ziele zu glauben und diese nicht aufzugeben, auch wenn man mal stolpert. 

Alexandra Dornhof


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