Mitten in der Gesellschaft

Mitten in der Gesellschaft angekommen.

Der Erfolg der Kinder ist doch unser Erfolg

Nelli Geger beschäftigt sich als Leiterin des Projekts „Potenziale junger Migranten fördern. Orientierung – Vernetzung – Integration in Bayern“ mit Hausaufgabenbetreuung für Kinder und Schüler mit Migrationshintergrund in Bayern. Im Rahmen des Projekts besucht sie regelmäßig die Orte, in denen die Hausaufgabenbetreuung durchgeführt wird. Über ihre Eindrücke berichtete sie unserer Jugendredaktion.  

22. Dezember 2016. Heute bin in Schweinfurt, um mit der Lehrerin Valeriya Paksyutova den neuen Stundenplan zu klären. An diesem Tag bin ich ungewöhnlich früh angekommen, deswegen stehe ich grade vor dem Klassenzimmer und höre zu, was da drinnen passiert, danach atme ich aus, drehe am Türknauf und trete ins Klassenzimmer ein. Zwanzig neugierige Augen schauen mich fragend an. Ich versuche die Lehrerin nicht zu stören, gehe auf Zehenspitzen nach hinten und setze mich an den Tisch zu einem kleinen Mädchen. Meine Nachbarin bewegt ihr Buch zu mir und fragt: „Wie heißt du?“, „Bist du unsere neue Schülerin?“, „Willst du auch mit uns Englisch lernen?!“ Auf meine Antwort wartet sie nicht, sondern fängt an, mir zu erklären, was sie gerade lernen…

Ein solches Interesse am Unterricht beobachte ich nicht nur in Schweinfurt, sondern auch in den anderen Städten in Bayern, in denen die Hausaufgabenbetreuung im Rahmen des Projekts „Potenziale junger Migranten fördern. Orientierung – Vernetzung – Integration in Bayern“ organisiert und durchgeführt wurde. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert und dient dazu, jungen Migranten zu helfen, ihr ganzes Potenzial zu entfalten. Interesse am Lernen soll geweckt und der Zugang zu Bildungseinrichtungen an Ort und Stelle in Bayern ermöglicht werden. Schon in fünf Städten, nämlich in Bad Kissingen, Dingolfing, Fürth, Nürnberg und in Schweinfurt funktioniert erfolgreich die Hausaufgabenbetreuung sowohl für Vorschulkinder als auch für Schüler. Das Projekt unterstützt die jungen Migranten jedoch nicht nur in Sachen Bildung, sondern auch bei Sport-, Theater- und Tanzveranstaltungen. Man kann bereits explizit beobachten, wie schnell und unauffällig die Kinder durch Musik und Sport die neue ungewöhnliche Sprache lernen und in die neue Umgebung integriert werden. Die Vermittlung von Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sowie die eigene Positionierung und Identität sind hier von besonderer Bedeutung.

Eine sehr wichtige Funktion erfüllen in diesem Kontext besondere Bezugspersonen (zum Beispiel Lehrer). Sie sind für die Kinder und Jugendlichen nicht nur außerhalb der Schule wichtige Ansprechpartner, und oft mehr als das. Die Erfahrungen zeigen, dass sie dazu beitragen, individuell Potenziale zu fördern, und als stabilisierender Faktor für die Persönlichkeitsentwicklung zur Verfügung stehen. Sie nehmen oft in Ergänzung zur Familie Aufgaben wahr, die diese nicht leisten kann. Das Projekt bereitet interessierte Personen auf die Tätigkeit vor und begleitet sie kurz- und langfristig bei der Arbeit. Dafür werden Seminare und Schulungen organisiert, bei denen Ehrenamtliche ihre Kenntnisse umfassend erweitern und vertiefen können. In diesem Zusammenhang erfüllt das Projekt sehr wichtige Aufgaben: Es unterstützt junge Migranten beim Lernen und erreicht durch den Fokus auf die junge Generation indirekt auch Familie und das soziale Umfeld gewinnt sie für die Teilhabe an der Gesellschaft.

… „Frau Geger! Frau Geger!“ – Ich begreife nicht sofort, dass die Lehrerin meinen Namen nennt. Der Unterricht ist zu Ende und die Kinder gehen mit fröhlichem Gezwitscher raus. Sie sind glücklich: morgen gehen sie in die Schule und zeigen, was sie heute gelernt haben. Einige bekommen bestimmt gute Noten. Ich sehe den Stolz in den Augen der Lehrerin Valeriya Paksyutova, die immer für jedes Kind Zeit findet, jedem aufmerksam zuhört und versucht, jedem zu helfen. Der Erfolg der Kinder in der Schule ist auch ihr Erfolg, der Erfolg der Eltern und ein bisschen auch meiner.

Nelli Geger

 

Die Englischlehrerin Valeriya Paksyutova mit Jugendlichen und Kindern bei der Kinderweihnachtsfeier in Schweinfurt am 22. Dezember 2016. 


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