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Einfach nur so.

Der Bundesvorstand der Jugend-LmDR stellt sich vor: Valerie Cholodow

"Wir müssen offener und innovativer werden!"

Valerie Cholodow ist 24 Jahre alt und studiert Wirtschaftswissenschaften an der Leibniz-Universität in Hannover. Letzten Sommer schloss sie ihr Bachelorstudium ab, absolvierte danach ein Praktikum bei VW im Projektmanagement und ging anschließend für ein halbes Jahr im Rahmen des Programms Work&Travel nach Kanada. Seit Oktober 2018 befindet sie sich im Masterstudium und engagiert sich in ihrer freien Zeit für die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Sie ist Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen der Jugend-LmDR und gehört seit Dezember dem Bundesvorstand des Jugendverbandes an.

VadW: Valerie, wie bist du zur Landsmannschaft gekommen?

Valerie: Im Jahr 2016 hatten wir in Hannover ein Kulturfestival. Über eine Freundin nahm Marianna Neumann von der Landsmannschaft Kontakt mit mir auf und fragte mich, ob ich bei einer Veranstaltung die Moderation übernehmen könnte. Ich habe zugesagt, hatte aber nicht mit so viel Publikum gerechnet! Das war ein großer Auftritt für mich. Gott sei Dank, hat alles reibungslos funktioniert. Danach wurde ich immer wieder angefragt, ob ich bei Aktionen der Landsmannschaft bestimmte Aufgaben übernehmen könnte, wie etwa Präsentationen zu den Deutschen aus Russland. Ich habe das gerne gemacht, weil das auch meine eigene Geschichte ist. Wenn es einen selbst betrifft, ist die Motivation noch stärker. Irgendwann habe ich immer mehr Vorträge gehalten, mich stärker in die Arbeit des Verbandes integriert, und im Jahr 2018 gründeten wir sogar die Landesgruppe Niedersachsen der Jugend-LmDR.

Was interessiert dich an der Arbeit der LmDR und der Geschichte der Deutschen aus Russland?

Ich habe irgendwann angefangen, mich mit Ahnenforschung zu beschäftigen, doch leider etwas zu spät – in unserer Familie gibt es keine Zeitzeugen mehr. Meine Großmutter ist bereits gestorben. Sie hatte fünf Geschwister, aber von ihnen lebt auch keines mehr. Als ich angefangen habe, mich dafür zu interessieren, meinten meine Freunde, Zeitzeugen seien eine wichtige Informationsquelle. Ich habe sehr viel mit meiner Mama darüber gesprochen. Meine Vorfahren haben in Wolhynien gelebt, bevor sie nach Kasachstan deportiert wurden. Meine Mutter hat mir furchtbare Geschichten über die Zeit der Deportationen und Repressionen erzählt. Meine Großmutter überstand das alles. Sie lebte sich in Kasachstan gut ein, war sehr engagiert und leistete Kulturarbeit in ihrem Umfeld. Im Gebiet Petropawlowsk und in Koktschetaw lebten damals viele Deutsche. Da kommt auch unsere Familie her. Für Geschichte habe ich mich schon immer interessiert. Als ich mein Abitur machte, überlegte ich bereits, was ich studieren kann. Ich dachte zwar daran, Geschichte zu studieren, doch hatte ich keine Vorstellung, wie ich das in mein berufliches Leben einbauen könnte. Also habe ich mich für Wirtschaft entschieden. Mein Interesse für Geschichte und Ahnenforschung lässt sich sehr gut in die Arbeit mit Jugendlichen einbauen. Wir planen, mit unserer Jugendgruppe in das Museum für Russlanddeutsche Kulturgeschichte nach Detmold zu fahren und uns dort auch mit Ahnenforschung auseinanderzusetzen.

Wie haben die Mitglieder eurer Jugendgruppe zueinander gefunden?

Das hat sich mit der Zeit ergeben. Ich habe viele russlanddeutsche Freunde. Durch die Teilnahme an den Aktionen und Veranstaltungen der Landsmannschaft haben sich uns viele angeschlossen. Sie wurden von dieser Stimmung angesteckt, diesem tollen Gefühl der Gemeinschaft und des Zusammenseins. Ich glaube, es ist eben dieses Feeling, das mich damals beim Kulturfestival geprägt hat. Wir verstehen uns, wir teilen die gleiche Geschichte und die gleichen Erfahrungen. Das ist sehr wertvoll. Früher haben sich unsere Leute oft allein gefühlt und wussten nicht, wo sie hingehören. Heute ist alles gemischter und internationaler, die Menschen sind offener geworden, daher ist es etwas einfacher, sich zu integrieren und ein Teil der Gesellschaft zu werden. Zu uns kamen immer mehr Leute, und 2018 haben wir die Jugend-LmDR Niedersachsen gegründet. Wir treffen uns regelmäßig, aber für größere Aktionen haben wir nicht immer genug Zeit.

Was sind die Ziele eurer Jugendgruppe, was möchtet ihr bewirken?

Einer der wichtigsten Bausteine unserer Arbeit ist die politische Bildung. Seit einiger Zeit stehe ich mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kontakt. Sie ist auf uns zugekommen, weil sie Interesse an unseren Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat. Wir überlegen gemeinsam, wie wir junge Spätaussiedler für Politik begeistern können. Aufklärungsarbeit ist sehr wichtig. Wir möchten uns auf junge Menschen konzentrieren und sie zu Multiplikatoren ausbilden, damit sie die Aufklärungsarbeit bei ihren Eltern und Großeltern leisten können. Es ist wichtig, dass die Menschen sich auskennen, damit sie sich nicht von bestimmten Parteien blenden lassen. Des Weiteren möchten wir Brücken bauen mithilfe von grenzüberschreitenden Maßnahmen. Letzten Sommer schickten wir sechs Sprachassistenten nach Kasachstan. Unsere jungen Menschen sind sehr weltoff en. Während von der älteren Generation einige eher schlechte Erinnerungen an die „alte Heimat“ haben und sich davon komplett lösen, ist die Jugend eher neugierig und möchte wissen, wo ihre Eltern und Großeltern früher gelebt haben. Denn auch wenn wir Deutsche sind, das Leben drüben hat uns geprägt, und jeder hat etwas mitgenommen: Wir sind dort geboren oder aufgewachsen, haben die Sprache oder bestimmte kulturelle Elemente mitgebracht. Aus dieser Überlegung heraus habe ich ein Auslandssemester in Moskau absolviert. Zunächst war das ein Kulturschock, doch es war eine großartige Erfahrung. Ich konnte meine Sprachkenntnisse verbessern. In der modernen Gesellschaft ist es von Vorteil, wenn man mehrere Sprachen beherrscht. Junge Menschen interessieren sich für andere Länder und Kulturen. Wir können somit Brücken bauen, für mehr Völkerverständigung sorgen. Wenn man ein Land und seine Menschen kennt und versteht, hilft das, Konfl ikten vorzubeugen oder sie zu schlichten. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit mit Jugendlichen ist das Netzwerken. Unter uns sind viele Studenten oder junge Leute, die kurz vor ihrem Schulabschluss stehen. Wir kommen zusammen und reden off en über Themen, die uns beschäftigen. Wir vermitteln Kontakte und können junge Menschen bei wichtigen Entscheidungen, zum Beispiel was sie nach der Schule studieren sollen, unterstützen. Bei solchen Treff en können sich die Leute vernetzen und über gemeinsame Interessen austauschen, sich gegenseitig hilfreiche Tipps geben und anderen mit ihrem Wissen oder ihrer Erfahrung helfen.

Was würdest du dir von den Mitgliedern der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland wünschen?

Mir ist wichtig, dass wir off ener und innovativer werden. Um junge Menschen anzusprechen, müssen wir neue Ideen vorbringen und attraktive Angebote gestalten. Wir stehen so oft in einem Generationenkonfl ikt. Neues bringt immer sehr viel Unsicherheit, doch etwas Neues bedeutet nicht gleich, dass es schlecht ist. Ich bin ein Mensch, der gerne reist. Ich interessiere mich für andere Menschen und Kulturen. Dabei mag ich keinen Massentourismus, sondern möchte das Land und die Menschen so nah wie möglich kennenlernen und das echte Leben dort sehen. Wenn wir off ener werden, können wir uns auch besser auf andere Menschen und Kulturen einlassen. Das hilft uns, Konfl ikte zu bewältigen und vor allem für junge Leute attraktiver zu werden.

Die Fragen stellte Katharina Martin-Virolainen


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