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Tagung für junge Autoren in Düsseldorf: Auch das Schreiben muss erlernt werden

Vom 9. bis 11. Dezember veranstalteten die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. (LmDR), die Jugendorganisation der LmDR, der Kulturrat und der Literaturkreis der Deutschen aus Russland ein dreitägiges Seminar für junge Literaten. Diese Tagung richtete sich vor allem an junge Leute, die sich als russlanddeutsche Autoren und Journalisten positionieren und ihre eigenen Wege in der deutschen Literatur einschlagen möchten.   

Was versteht man überhaupt unter einem jungen Autor? Gibt es da bestimmte Altersgrenzen, oder legt eher die literarische Erfahrung diesen Begriff fest? Laut Artur Böpple, Vorsitzender des Literaturkreises der Deutschen aus Russland und einer der Organisatoren der Tagung, sei „junger Autor“ ein abdingbarer Begriff. „Grundsätzlich fangen Autoren oft erst Mitte 30 mit dem Schreiben an. Talentierte Autoren, die sich viel früher mit dem Schreiben beschäftigen, gibt es natürlich auch, doch im Üblichen ist es gang und gäbe, dass Menschen zuerst Lebenserfahrung sammeln müssen, bevor sie beginnen zu schreiben. Daher sollen wir diesen Begriff „junge Autoren“ etwas erweitern. Mitte 40 bis 50 Jahre wäre in etwa die Grenze heutzutage, um noch als junger Autor gelten zu können“, so Artur Böpple.

Den Auftakt der Tagung bildete die am 9. Dezember im Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf stattgefundene Lesung, an der Autoren und Musiker der jüngeren Generation teilnahmen. Neben Artur Böpple lasen in lockerer Atmosphäre Max Schatz, Melitta Roth, Natalia Stuphorn, Dorothea Enss und weitere Autoren aus ihren Werken vor. Es bestand zudem die Möglichkeit, die Autoren direkt anzusprechen und mit ihnen über ihre Vorträge zu diskutieren. Artur Böpple stellte die Literaturzeitschrift RHEIN! vor, die ihre Herbstausgabe (Nr. 13) dem Schaffen russlanddeutscher Autoren gewidmet hat. In der Zeitschrift sind Beiträge von bekanntesten Autoren aus Russland versammelt, wie z.B. Eleonora Hummel, Waldemar Weber, Wendelin Mangold, Agnes Gossen, Andreas Peters, Artur Rosenstern und vielen anderen. Details dazu sind unter www.kunstgeflecht.de zu finden. Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von Dimitri German (Gesang und Gitarre), Oleg von Riesen (Gesang und Gitarre) und Natalia Stuphorn (Saxophon).

Am darauffolgenden Tag gab Dimitri German, Vorsitzender des Kulturrates der Deutschen aus Russland, Input zur Kultur- und Literaturgeschichte der Russlanddeutschen und stellte Visionen des Kulturrates für die Entwicklung unserer Literatur vor. Diese Visionen bestünden darin, dass der Kulturrat nun versuchen wird, neue Wege und Strategien zu finden, um die neue Literaturwelt der Deutschen aus Russland aufzubauen.

Artur Böpple beteuerte, dass das literarische Schreiben an sich ein Handwerk sei und genauso wie viele andere Disziplinen erlernt werden müsse. Leider gebe es viele Autoren, die zwar gut formulieren können, man merke jedoch, dass sie sich mit dem literarischen Schreiben nur wenig professionell beschäftigt haben. Vielen jungen Autoren sei es leider nicht bewusst, dass man auch in der Literatur gewisse Regeln beachten müsse. Eine Kurzgeschichte sowie ein Roman bräuchten einen gut aufgebauten dramaturgischen Spannungsbogen, um die Neugier des Lesers zu reizen. Wie man Konflikte zu einem Höhepunkt führt und sie auflöst, wie man Personen vorstellt und sie beschreibt – das alles sind wichtige Punkte, die ein gutes literarisches Werk ausmachen und die man sich auch aneignen kann. 

Die Lektorin Martina Leon sprach über die Theorie eines Essays. “Ein Essayist greift die Dinge auf, die für ihn besonders wichtig zu sein scheinen,“ sagte die leidenschaftliche Teilnehmerin von literarischen Veranstaltungen der LmDR und des Literaturkreises. Das Schreiben eines Essays sei nichts anderes als Meinungsäußerung des Autors und wird auf den subjektiven Blickwinkel des Autors reduziert. Für einen Essay gebe es im Grunde keine Regeln für den Aufbau und keine festgelegte Form und Länge, daher eigne sich diese Gattung durchaus gut für junge Autoren. Nach dem Vortrag von Martina Leon bekamen die Teilnehmer der Tagung die Möglichkeit, selbst einen Essay zu verfassen.    

Die Organisatoren des Seminars, unter anderem Artur Böpple und Dimitri German, fanden es sehr wichtig, dass Seminare und Workshops solcherart gefördert werden, denn leider gebe es zurzeit viele Autoren russlanddeutscher Herkunft, die sich als solche gar nicht geben und oft gar nicht mehr als solche zu erkennen sind. Da Vertreter der älteren Generation mit der Zeit wegsterben, bestehe für unsere Literatur die Gefahr, dass wir keinen Nachwuchs bekommen. „Wir sollen unsere junge Autoren für unsere russlanddeutschen Themen mehr sensibilisieren“, so die Veranstalter der Tagung in Düsseldorf.   

Lena Arent

 

 


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