Berufsorientierung und Bildung

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Erfolgsgeschichte Natalie Kolb

Natalie Kolb bestritt als erste weibliche, mit 26 Jahren auch noch jüngste und erste Aussiedlerin den Posten der Filialleitung in der Volksbank Main-Tauber eG. Natalie Kolb ist mittlerweile 36 Jahre jung, lebt verheiratet in Tauberbischofsheim und freut sich, durch ihre in der LmDR aktive Schwester Helena Kolb auf die Verbandsarbeit der Russlanddeutschen aufmerksam gemacht worden zu sein.

Von Natascha Iwanowna zu Natalie

Natalie wurde als Natascha Iwanowna Kolb im ehemals sowjetischen Kasachstan geboren und zog 1991 mit 11 Jahren samt Schwestern, Eltern und Großeltern in das liebliche Main-Taubertal in Süddeutschland. Aller Integrationsanfang ist bekanntlich mühsam. Auf die Frage, wie sie mit den neuen Herausforderungen umging, antwortet Natalie optimistisch, dass letztlich immer die Neugier sie antreibt. Schnell gelang es ihr, auf Menschen zuzugehen und sie für sich zu gewinnen, auch wenn sie sich 1991 noch als eine der erste Russlanddeutschen auf ihrer Schule zählen durfte. Jährliche Kindergarten- und Schulwechsel in Kasachstan lehrten sie seit früher Kindheit, sich stets für das Neue zu begeistern und vorurteilsfrei auf andere zuzugehen.

Um sich in Deutschland gut zu integrieren, galt es erstmal, die Deutschkenntnisse täglich zu erweitern. Der Vater gab ihr Bücher zum Lesen und diskutierte mit ihr am Wochenende über deren Inhalt. Nachhilfe gab es in der Schule sogar exklusiv vom Rektor: ausschließlich gerichtet an Neuankömmlinge mit fachspezifischem Aufholbedarf, beispielsweise in Englisch. Sie bekam ein Jahr in der Schule geschenkt und paukte sich fleißig von der Haupt- über die Werkrealschule durch bis hin zum Wirtschaftsgymnasium, wo sie schließlich ihr Fachabitur absolvierte.

Trotz kultureller Unterschiede in Sachen Mentalität, Freundschaft und Humor baute sie sich schnell einen Freundeskreis auf mit Hiesigen, Aussiedler- und Migrantenkindern sowie Russlanddeutschen.

Für Natalie zählt jedoch nicht die Herkunft eines Menschen als Kriterium dafür, einander zu mögen, sondern die ganz individuellen Werte eines Menschen. Es reizt sie zu reisen und andere Kulturen zu erkunden.

 

Sozialpädagogin oder lieber doch Bankberaterin?

Als es sich zu entscheiden galt, welchen Beruf Natalie erlernen möchte, wusste sie, dass sie definitiv gerne mit Menschen zusammenarbeitet und sie am liebsten berät. Der Beruf der Sozialpädagogin kam als Idee, doch das Studieren, der Umzug in eine große unbekannte Stadt sowie die mit dem Beruf verbundene Verantwortung über Menschenschicksale ließen sie zweifeln. Natalie liebt schnelle Ergebnisse. Also konsultierte sie das Arbeitsamt und fragte nach den Berufsaussichten im Servicebereich der Bankenlandschaft. Tatsächlich wurde ihr vom Arbeitsamt erstmal davon abgeraten, weil zu einem guten Bankangestellten die feste Verwurzelung mit dem Ort von Anfang an gehört. Doch dieser Rat hielt Natalie nicht davon ab, sich zu bewerben. Und siehe da. Kaum machte sie in der Bank eine Ausbildung zur Bankkauffrau, wurde sie schnell im Servicebereich tätig und studierte noch nebenbei den Bankfachwirt. Es folgte die Filialleitung im Alter von 26 Jahren. Damit schlug Natalie gleich drei Rekorde: In der Geschichte der örtlichen Volksbank ist sie die erste Aussiedlerin, zudem jüngste und erste weibliche Fillialleiterin. Doch Natalie bleibt geerdet und ist dankbar für die Chancen und den Zuspruch, den sie von Seiten der Lehrer, Mentoren, Vorgesetzten und Mitarbeitern erhalten hat. Wenn sich bei Natalie Langeweile breit macht, sucht sie schnell nach neuen Herausforderungen. Nach zwei Jahren wechselt sie die Bank, probiert sich im Wertpapierbereich, berät schließlich junge Kunden und findet ihre große Berufung als Trainerin.

 

Was für Natalie im Leben zählt

Unersetzlich sind für Natalie Kolb, außerhalb des Berufes, ihre Gesundheit, die Familie und einen großen Freundeskreis zu pflegen. Daraus speist sie ihre Kraft und Zuversicht. Sowohl auf beruflicher als auch auf privater Basis hat sie gelernt, Krisen zu bewältigen, indem sie ihre innere Einstellung überprüft. Sie fragt sich dann: Wie wirke ich nach außen? Denke ich in negativen Schablonen oder schaffe ich, das Positive zu erblicken?

 

Russlanddeutsche Identität

Was die russlanddeutsche Identität betrifft, so erkannte sie erst später für sich, dass eine solche insgemein existiert. Sie ist stolz darauf, die vielseitigen Erfahrungen und Prägungen in sich zu tragen. Sie sagt über sich selbst, dass sie das Zusammenleben mit den Menschen mit Herzlichkeit, Ehrgeiz, einem besonders ausgeprägtem sozialen Feingefühl und Integrität weiter bereichern möchte.Von der Verbandsarbeit wünscht sie sich ein weiterhin breites Angebot für die Generationen der Eltern und Großeltern, um sich über ihre ähnlichen Lebensweg sich auszutauschen. Außerdem regt sie dazu an, ein größeres Netzwerk und eine ansprechendere Öffentlichkeitsarbeit aufzustellen und jüngere für das Bewahren der russlanddeutschen Kultur zu begeistern.

 

Natalie hat sich unübersehbar ihre Neugier und Engagement bewahrt. Sie schafft es, den Raum mit Energie und Schönheit zu füllen. Die Menschen kommen ihr nicht davon, ohne mindestens einmal von ihr zum Lachen gebracht worden zu sein. Sie würde nicht nach Kasachstan zurückkehren, doch erinnert sie sich gerne der Kindheitstage dort. Ob sie sich denn in Deutschland gut integriert fühle? Definitiv. Um wirklich anzukommen, fehlen nur noch das Häuschen und eine gesunde Familie.

 

 Helena Goldt (Kolb).


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